Roger Küng
Head of Operations EnergyCuringRAHN AG
Flexiblere Materialien gehören heute zu den spannendsten Möglichkeiten im 3D-Druck. Sie machen Anwendungen möglich, die Beweglichkeit, Dämpfung oder Anpassungsfähigkeit verlangen. Ob in Schuhen, medizinischen Geräten, Dichtungen, flexiblen Verbindungen oder tragbaren Produkten – überall dort, wo Weichheit und Elastizität gefragt sind, spielen sie ihre Stärken aus.
Gleichzeitig bringen diese Materialien ihre Tücken mit sich: Die Druckbarkeit, die Nachbearbeitung und die Haltbarkeit können die Arbeit schnell anspruchsvoller machen, als man denkt. Genau hier setzt dieser Leitfaden an. Er zeigt Ihnen, wie Sie flexibler Materialien richtig verstehen, auswählen und verarbeiten – damit Sie das perfekte Gleichgewicht zwischen Elastizität und mechanischer Stärke für Ihre Anwendung finden.
Um mit flexiblen Materialien im 3D-Druck erfolgreich zu arbeiten, ist es entscheidend, ihre wichtigsten mechanischen Eigenschaften zu kennen: Dehnung, Weiterreissfestigkeit, E-Modulus und Zugfestigkeit.
Diese Kennwerte stehen in direkter Wechselwirkung: Sehr hohe Dehnung geht oft mit niedrigerer Weiterreissfestigkeit einher. Das richtige Gleichgewicht lässt sich nicht verallgemeinern, es hängt immer von der konkreten Anwendung ab. Shore-Härte ist ein weiterer praxisrelevanter Wert: Shore-A-Werte unter 50 entsprechen weichen, gummiartigen Materialien, während Werte über 80 Shore A deutlich steifere, aber noch flexible Kunststoffe beschreiben.
Für UV-härtende flexible Kunststoffe stehen drei eng verwandte Druckverfahren im Vordergrund – alle basieren auf dem Prinzip der schichtweisen Photopolymerisation:
Alle drei Verfahren stellen unterschiedliche Anforderungen an die Formulierung: Viskosität, Reaktivität, Aushärtungstiefe und Schrumpfung müssen auf das jeweilige System abgestimmt sein. Genau hier setzt die Rohstoffentwicklung von RAHN AG an – mit Oligomeren und Additiven, die über alle drei Plattformen hinweg zuverlässig performen.
Eine Vielzahl von Materialkategorien bringt im 3D-Druck flexible Eigenschaften mit – jede mit ihrem eigenen Leistungsprofil, abgestimmt auf unterschiedliche Anforderungen. Hier ein Überblick über die wichtigsten Kategorien und ihre herausragenden Produkte:
Diese Materialfamilien und ihre jeweiligen Harze bilden ein starkes Fundament, um Flexibilität im 3D-Druck gezielt auf die gewünschte Anwendung und das geforderte mechanische Profil abzustimmen.
Demonstration aus unserem RadLab
Flexible 3D-Druckmaterialien lassen sich so abstimmen, dass sie entweder die Elastizität oder die Zähigkeit in den Vordergrund stellen – je nach Anforderungen der späteren Anwendung. Ein Blick auf zwei typische Rezepturen:
Elastische Formulierung: Eine Mischung aus 93 % GENOMER* 3135, 5 % GENOMER* 5695 und einem Photoinitiator erreicht eine gute Dehnung (75 %) und eine zuverlässige Druckbarkeit. Diese Kombination setzt auf Weichheit und Dehnbarkeit – ideal für Anwendungen wie weiche Komponenten oder flexible Dichtungen, bei denen hohe Flexibilität, Komfort und Oberflächenanpassung entscheidend sind.
Durch das Anpassen der Monomer-/Oligomerstruktur und Additiven können Anwender Rezepturen feinjustieren, um die gewünschte Performance zu erreichen – egal ob der Fokus stärker auf Weichheit und Dehnbarkeit oder auf Robustheit und struktureller Stabilität liegt.
Bei der Materialwahl gilt: Verbesserungen in einem Bereich gehen häufig auf Kosten eines anderen. Höhere Dehnung führt in der Regel zu niedrigerer Steifigkeit; hohe Reissfestigkeit schränkt oft die Dehnbarkeit ein.
Darum muss die Materialwahl eng an die Anforderungen der jeweiligen Anwendung gekoppelt sein. Beispiele verdeutlichen, wie verschiedene Formulierungen für spezifische Einsatzfälle optimiert sind:
Ein entscheidender Unterschied zwischen RAHN und anderen Anbietern: RAHN liefert keine fertigen 3D-Druckharze für den Endanwender, sondern hochwertige UV-härtende Oligomere, Monomere und Additive für Formulierer, Harzentwickler und Industriekunden, die eigene flexible Druckharze entwickeln oder optimieren.
Das bedeutet für Kunden konkret:
Wenn Sie ein flexibles Druckharz für eine spezifische Anwendung entwickeln oder optimieren wollen, sprechen Sie uns an – wir begleiten die Formulierung vom Rohstoff bis zum getesteten Bauteil.
Um mit flexiblen Materialien erfolgreich zu drucken, braucht es durchdachtes Design, optimierte Druckeinstellungen und ein Bewusstsein für typische Stolperfallen. Die folgenden Hinweise helfen, sowohl die Druckqualität als auch die Funktionalität spürbar zu verbessern.
Wer diese Best Practices beachtet, reduziert Druckfehler und erhält flexible Bauteile, die sowohl optisch als auch mechanisch überzeugen.
Im medtech Bereich und in der Zahnmedizin müssen Materialien besonders strenge Anforderungen erfüllen – von Biokompatibilität bis hin zu hoher Biegefestigkeit, insbesondere bei Geräten, die länger mit dem Körper in Kontakt stehen. Flexible Komponenten müssen sich oft an weiches Gewebe anpassen, Belastungen abfedern und hautverträglich bleiben. Harze wie GENOMER* 1280M, GENOMER* 4256, und GENOMER* 4270 bieten hohe Dehnung und geringe Reizwirkung – ideal für Anwendungen wie individuell angepasste Zahnschienen, Weichgewebe-Simulatoren oder tragbare Geräte mit Hautkontakt.
In industriellen und mechanischen Anwendungen muss Flexibilität oft mit Haltbarkeit, chemischer Beständigkeit und mechanischer Stärke kombiniert werden. Für Snap-Fits und flexible Verbindungen eignen sich Materialien wie GENOMER* 4212 und GENOMER* 1280M als hochwirksame Flexibilisatoren. Sie bieten gute Rückpralleigenschaften, niedrige Viskosität und minimales Vergilben – entscheidend für die optische und funktionale Langlebigkeit. Zudem lassen sich mit diesen Harzen massgeschneiderte Dichtungen und Schwingungsdämpfer entwickeln, die auch unter anspruchsvollen Bedingungen zuverlässig arbeiten.
Auch in der Schuh- und Modeindustrie sind weiche, passgenaue Materialien von grossem Vorteil. GENOMER* 3135 wird aufgrund seiner hohen Dehnung und weichen Haptik häufig in Mischungen verwendet, um Komponenten und Accessoires herzustellen, die sich optimal an Körperbewegung und -form anpassen. Im Vergleich zu herkömmlichen TPU- oder PEBA-Materialien bieten Mischungen mit GENOMER* 3135 vergleichbaren Komfort und Flexibilität – zusätzlich mit dem Plus einer feineren Individualisierung und einem geringeren ökologischen Fussabdruck dank bio-basierter Anteile.
Diese vielfältigen Einsatzgebiete verdeutlichen, wie vielseitig flexible Materialien sind – und wie wichtig sie dabei helfen, reale Herausforderungen in unterschiedlichsten Branchen zu meistern.
Drei Entwicklungen prägen die Zukunft flexibler 3D-Druck-Kunststoffe:
Flexible Materialien eröffnen im 3D-Druck enorme Möglichkeiten – sie verlangen jedoch eine bewusste Auseinandersetzung mit mechanischen Eigenschaften wie Dehnung, Weiterreissfestigkeit, E-Modulus und Zugfestigkeit. Jede Anwendung erfordert ein anderes Gleichgewicht dieser Faktoren.
Die Wahl der richtigen Materialfamilie und Formulierung – sei es für Elastizität, Zähigkeit oder Langlebigkeit – ist der Schlüssel. Wer Performance-Kennzahlen gezielt mit den Anforderungen der Endanwendung in Einklang bringt, stellt sicher, dass gedruckte Teile sowohl funktional als auch produktionstechnisch überzeugen.
Das hängt stark von der Anwendung ab. Für maximale Weichheit und Dehnung sind Polyesteracrylate wie GENOMER* 3135 ideal. Für zähe, schlagfeste Bauteile eignen sich Urethanacrylat-basierte Formulierungen wie GENOMER* 4212. Die Wahl sollte immer anhand der mechanischen Anforderungen (Dehnung, Reissfestigkeit, E-Modulus) getroffen werden.
Shore A ist der relevante Massstab für weiche, gummiartige Materialien. Werte unter 30 Shore A entsprechen sehr weichen Materialien (z. B. Weichgewebesimulator); 60–80 Shore A entsprechen festeren Gummis. Die Shore-Härte eines UV-härtenden Harzes lässt sich durch Formulierungsanpassung – etwa durch das Verhältnis von weichem Oligomer zu hartem Monomer steuern.
Bei Mehrmaterialdruckern (z. B. Polyjet) ist dies direkt möglich. Bei SLA/DLP-Systemen ist eine Kombination durch zonales Drucken oder Montage möglich. Auf Formulierungsebene lassen sich durch Hybridrezepturen Übergänge zwischen Flexibilität und Steifigkeit innerhalb eines Materials erzeugen.
RAHN ist kein Harzanbieter für Endverbraucher, sondern Rohstofflieferant für Formulierer und Harzentwickler. Das Portfolio umfasst UV-härtende Oligomere (Polyesteracrylate, Urethanacrylate), Additive und Leistungsbooster speziell für flexible Druckharze – ergänzt durch Formulierungsberatung und anwendungsnahe Tests im RadLab.
RAHN AG